Freitag, 20. Juni 2014

Nerven zerreißend

BM ist im Moment ziemlich oft unleidlich. Mindestens einmal täglich gibt es hier ein Riesendrama meist im Zusammenhang mit Zähne putzen und An-/ Umziehen wahlweise Morgens oder Abends oder auch beides. So sehr diese Anfälle auch nerven, kann ich damit einigermaßen umgehen,  weil ich schon verstehen kann, wenn BM auf etwas eben keine Lust hat und sich ärgert, weil wir darauf bestehen.

Viel schlimmer finde ich dieses endlose Nölen und Greinen, wenn sie wegen irgendetwas schlechte Laune hat. Dann kann man ihr überhaupt nichts recht machen. Sie wiederum kann aber auch nicht ausdrücken,  wo eigentlich das Problem liegt,  und kommt nicht aus ihrer Haut. Das zerrt so unendlich an den Nerven,  dass ich mich selbst erwische wie ich ungerecht und sogar manchmal nachtragend werde.

Heute früh ein Paradebeispiel: BM wacht jammernd auf. Deutlich früher als sonst und nach einer Nacht mit ebenfalls sehr unzufriedener Zwee. Wir mussten noch längst nicht aufstehen, also holte R. BM in unser Bett mit der wagen Hoffnung, dass sie noch mal einschläft oder wir wenigstens noch ein bisschen kuscheln können. Leider lag das Kopfkissen irgendwie falsch. Und die Decke ist nicht auf den strampelnden Beinen liegen. Ich sollte die Hand halten,  aber nicht so sondern anders. Wie? Anders eben. BM wollte Rückenmalen spielen. Okay,  wenigstens kann man dabei liegen. Aber ich lag nicht richtig... Wie es richtig gewesen wäre, konnte ich nicht herausfinden. Und dann ist wohl auch noch ein Sack Reis in China umgekippt.

BM nölte bis uns der Kragen platzte. Sie wurde zum Beruhigen ins Kinderzimmer gebracht und wir gingen schon mal ins Bad. BM brüllte mittlerweile richtig. Zog sich zwischenzeitlich noch einen Phantomschmerz am unbehausschuhten Fuß zu. Jedes Friedensangebot meinerseits wurde abgelehnt. Aus irgendeinem  Grund war sie verdammt wütend auf uns,  was wiederum uns genauso sauer machte. Gefühlt ewig später legte sie den Schalter um und war plötzlich wieder ansprechbar,  ließ sich endlich in den Arm nehmen... und plapperte sofort munter drauf los während ich ein heimliches Tränchen in ihre Haare vergoss.

In einem ähnlichen Fall fragte ich sie gestern völlig entnervt,  was denn nur los sei.  Sie antwortete,  dass die Ärgermaus sie gebissen habe. Das kennt sie aus einem Kinderbuch. Dort zwickt die Ärgermaus die Kinder,  damit sie sich zanken. Offenbar war ihr auch irgendwie klar,  dass sie eigentlich gar nicht wusste, warum sie meckerte und weinte. Gut war, dass wir die imaginäre Ärgermaus dann gemeinsam verjagen und uns dabei versöhnen konnten. Ein anderes Mal rief sie mir am Ende eines Einschlafdramas zu, dass ihre Augen immer wieder anfangen zu weinen. Armes kleines Herz!

Vielleicht war doch alles ein bisschen zu viel für sie in den letzten Monaten. BM kaut neuerdings an den Nägeln, wenn sie aufgeregt oder unsicher ist, wenn Ihre Freundin in der Kita nicht da ist und sie "keinen Freund zum Spielen findet",  unablässig beim Kindertanzen,  obwohl ihr das doch soviel Spaß macht.

Zum letzten Mal schnitt ich BMs Fingernägelchen wenige Tage bevor ich zum ersten Mal ins Krankenhaus musste. Der Zusammenhang drängt sich förmlich auf und macht mir ein unheimlich schlechtes Gewissen. Ich habe als Kind ewig an den Nägeln gekaut und neige in Stresssituationen immer noch dazu,  d.h. ich weiß sehr gut wie schwer es ihr fallen wird, damit wieder aufzuhören.

Ich versuche ihr Tipps zu geben. Sie soll die frechen Finger einfangen und mit der anderen Hand festhalten, wenn sie sich in den Mund schleichen wollen. Wenn die Kinder beim Tanzen im Kreis sitzen und erzählen, soll sich sich auf die Hände setzen oder am Kleidchen spielen. Und natürlich sagen wie ihr jeden Tag zig Mal,  dass sie die Hände aus dem Mund nehmen soll.

In der Kita bekommt sie von ihrer Erzieherin nun immer ein Herz auf die Hand gestempelt,  wenn sie nicht (wenig) geknabbert hat. Bislang gab es den Stempel leider noch nicht sehr oft.

BM wünscht sich schon lange einen Nagellack. Gelb soll er sein,  weil das ihre liebste Farbe ist. Also habe ich einen gekauft und ihr versprochen, dass ihre Nägel lackiere,  wenn sie 10 Tage nicht geknabbert hat, so dass ich die Fingernägel wieder schneiden kann. Dazu haben wir ein Spielfeld gebastelt. Jeden Tag,  an dem BM nicht geknabbert hat, rückt der Nagellack einem Finger vor. Wenn Sie geknabbert hat, bleibt er stehen oder geht an ganz schlimmen Tagen einen Schritt zurück. Na ja,  zur Zeit stehen wir mal wieder ganz am Anfang.

Natürlich ist nicht alles schlecht.  Im Gegenteil, BM hat auch jeden Tag viel Spaß. Trotzdem macht es mich sehr traurig, sie dann zwischendurch immer wieder so nervös und unausgeglichen zu sehen. Alles nur eine Phase,  oder?

Kommentare:

  1. Ich musste so lachen. Du hast 1:1 unsere Situation seit 1 Woche beschrieben. Da fehlt nur noch: die Mama soll was machen, der Papa will helfen, das passt dem Großen nicht und schon brüllt er den Papa an. Seufz. Ich glaube unsete Zwei kommen grad nicht klar. Bei Noah haben sich mehrere Sachen erneuert (hallo Entwicklungssprung lol): generell Knöpfe aller Art schließen können, Buchstaben benennen und Anfangswörter dazu suchen, rechnen etc. Seufz. Ist bei BM außer Zwee noch was Neues?

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    1. Alles nur eine Phase... Ja, ja.

      Ich denke, meine unvorhergesehenen Abwesenheiten wirken noch nach. Zwee - bzw. eher die Tatsache, dass wir Eltern uns nicht zerteilen können - hat sicherlich einiges auf den Kopf gestellt. Sie macht das schon sehr gut und zeigt viel Verständnis, aber es ist offensichtlich alles gar nicht so leicht, wenn man bald vier wird.

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